Grenzen der Anpassung des Pferdeverhaltens
Pferde haben sich im Laufe von Millionen Jahren an die jeweiligen Gegebenheiten auch ohne einen Tierpsychologen anpassen müssen. Durch natürliche Selektion starben die Stämme aus, bei denen die Anpassungsgrenzen überschritten waren. Die Pferde sind zum Selbsterhalt und Aufbau von Natur aus befähigt. Sind jedoch die Anpassungsgrenzen überschritten, so kann dies zu Verhaltensstörungen führen, die das Pferd daran hindern, diesem Selbsterhalt zu folgen. Dies kann bei den domestizierten Pferden auf die Haltung und den Umgang mit dem Pferd zurückzuführen sein und sollten ernst genommen werden. Verhaltensstörungen zeigen, dass Anpassungsgrenzen überschritten wurden oder dass die Lebensumstände so schwierig sind, dass das Überleben des Pferdes erschwert oder gar unmöglich gemacht wird.
Ein Pferd ist in der Regel freilebend nicht mit der Adaption der Lebensumstände überfordert. Grast ein Pferd in freier Wildbahn normalerweise 11 Stunden am Tag und ist aber nicht genügend Futter zur Aufnahme vorhanden, so wird das Zeitfenster für das Grasen um 1-2 h ausgedehnt. Aufgestallt ist es allerdings in der Regel oft so, dass die Pferde viel Kraftfutter und wenig Raufutter bekommen. Dies führt dazu, dass die Pferde ihre Nahrung sehr schnell aufnehmen und somit nicht die o.g. 11 h damit beschäftigt sind. Was passiert nun mit dem Rest der Zeit? Hier unterscheiden sich die Individuen. Während das eine Pferd die restliche Zeit dösend verbringt, wird ein anderes Pferd damit beginnen die Wände und Türen der Boy zu benagen. Einige Pferde zeigen unter gleichen Bedingungen noch ein “normales” Verhalten (normal ist auch nicht das mehrstündige Dösen, es wird aber vom Menschen so akzeptiert), während andere Pferde eine Verhaltensstörung (Beispiel Boxen benagen) zeigen.
Die Anpassungsgrenze wird überschritten, wenn das Pferd nicht mehr in der Lage ist die gegebenen Umstände (durch Flucht, Gewöhnung) zu bewältigen. Diese Grenze ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Pferde reagieren mit Aggression, Frustration und Bindungsstörungen/Isolation und es kommt zu einem Triebstau. Werden die Anpassungsgrenzen in Hinblick auf Umgebung und Haltung sowie Ausbildung über einen längeren Zeitraum überschritten, so kann sich ein Fehlverhalten / eine Verhaltensstörung manifestieren, die der Tierpsychologe dann behandelt.