Evolution des Pferdes
Die Veränderung der vererbbaren Merkmale der Pferde von Generation zu Generation hat sich von einer früheren natürlichen Selektion hin zu einer künstlichen Selektion entwickelt. Künstlich, weil heute der Mensch die Evolution beeinflusst, in dem er züchterisch bestimmte Merkmale in den Vordergrund rückt. Je nach Bedarf, werden bspw. Springpferde oder Arbeitspferde bzw. deren besondere Merkmale gezüchtet.
Ursprünglich besiedelte das Eohippus, der älteste bekannte Vertreter der Equidae (Pferdeartigen) den Wald und ernährte sich durch Blätter und Beeren, die es mit gewölbten Zähnen in einer Zahnreihe zermalmte. Es hatte noch Zehen anstelle von Hufen. Dieses Tier war nur bis zu 45 cm groß. Der nachfolgende Ahne der Pferde war der Merychippus hatte sich schon an die Lebensbedingungen der Steppe angepasst. Er war bis zu 1 m groß. Die Füße bestanden zwar noch aus Zehen, aber nur der mittlere berührte noch den Boden. Die Zähne hatten sich weiterentwickelt, so dass nun auch harte Pflanzen wie bspw. Gräser zermalmt werden konnten. Der dann folgende Pliohippus, war in etwa so groß wie ein Esel und hatte nur noch einen Huf. Die Zehen hatten sich zu Griffelbeinen zurückentwickelt (Monodactylie). Durch Wanderung der Herden und die Anpassung an die diversen Bedingungen entwickelten sich verschiedene Formen der Pferdeartigen. Neben dem Pferd entstanden Esel, Zebras und Halbesel. Wie aus den Unterarten des Urwildpferdes das Hauspferd (Przewalskipferd) hervorgegangen ist, ist heute noch nicht klar. Es gibt hierzu noch verschiedene Theorien. Insgesamt brauchte es ca. 60 Millionen Jahre, bis das Pferd durch Anpassungen der Physiologie und des arttypischen Verhaltens zu dem wurde, was wir heute kennen.
Das arttypische Verhalten unterteilt sich dabei in drei Bereiche. Das Pferd ist ein Steppentier, Fluchttier und Herdentier. Die gesamte Physiologie ist darauf ausgerichtet.
Durch das Leben in der Steppe war das Pferd jeden Tag ca. 14 Stunden damit beschäftigt, energiearmes Futter mit einem hohen Anteil an Rohfasern aufzunehmen. Ein Pferd ist somit nicht verfressen, wenn es heute den ganzen Tag fressen will, sondern dies ist ein angeborenes Verhalten. Daraus abgeleitet hat sich das Pferd bei der Nahrungssuche viele Stunden in ruhigem Schritt bewegt. Von daher ist auch heute ein hoher Bedarf nach Bewegung in ruhiger Gangart vorhanden. Weiterhin hatten die Pferde in der Steppe mit hohen Temperaturschwankungen zu leben und haben somit heute eine sehr gute eigene Thermoregulation. In der Steppe waren die Pferde außerdem einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die Pferde sind also daran gewöhnt, vertragen nicht nur starke Sonneneinstrahlung sondern brauchen Licht.
In der Steppe war die beste Verteidigung bei Gefahr die Flucht. Neben der Möglichkeit der schnellen Flucht wurden auch die Sinnesorgane ausgeprägt, die einen mögliche Feind schnell erfassten. Die erste Reaktion des Pferdes ist auch heute noch die Flucht. Bei genügendem Abstand an das auslösende Element kann das Pferd die Lage dann sondieren. Erst wenn die Fluchtmöglichkeit eingeschränkt ist, wehrt sich dass Pferd durch schlagen und beißen. Der Fluchtinstinkt des Pferdes bei bestimmten Ereignissen kann durch Gewöhnung und positive Verstärkung gehemmt werden. Bei Flucht reagiert das Pferd in seinem Verhalten also nicht feige sondern artgerecht.
Das Leben in der Herde ist ebenfalls seit ungefähr 25 Millionen Jahren ausgeprägt. In der Herde konnten die Pferde ihren Bedürfnissen des wehrlosen Pflanzenfressern nachgehen, weil jeder für den anderen mit aufpasste. Deshalb fühlt sich ein Pferd im Sozialverbund sicher.